Die Alte und das Meer

Text: Christine, Melodie: PurPur (2010)

"Die Alte und das Meer" ist wohl die einzige Ballade unserer 2. Cd im klassisch text-lastigen, instrumental PurPur-istischen Stil – so textlastig, dass wir mittlerweile Strophe 2 und und 5 live nicht mehr singen ^^. Sie erzählt von der Faszination und Grausamkeit des Meeres und von einer Frau, die ihren Liebsten an die See verliert. Ob die Geschichte ein gutes oder tragisches Ende hat, bleibt dabei eurer Interpretation überlassen.

Bild: Stella Duck / The Foxglove

Text

Es liegt ein Dorf an der Küste, errichtet auf Felsen und Sand
Und eine uralte Hütte steht fernab an dessen Rand,
gesprungen sind die Ziegel, verwittert sind Holz und Stein
Am Fuße der steilen Klippen, dort hat die Alte ihr Heim

Die Läden sind verschlossenund Rauch steigt selten auf
Verlassen scheint sie zu liegen,doch geben die Leute nichts drauf
"Die Alte ist wieder gestiegen hinauf auf der Klippe Grat"
So flüstert so mancher im Dorfe, der sie dort gesehen hat.

Jeden Tag geht sie langsam doch stetig den Pfad gehauen in Stein
Bis auf den höchsten Felsen, dort steht sie dann allein
Die altersblinden Augen hinaus auf's Meer gewandt
Um den Hals eine silberne Kette, eine Kerze in zittriger Hand

Seht ihr die Alte dort oben Gebeugt wartet sie schon so lang
Als lausche sie still und andächtig Einem unendlich fernen Gesang
Durch Sturm, Wind und Gezeiten Blickt ihre Seele zurück
Auf längst vergangene Tage Auf lange verlorenes Glück

So trotz sie den Frühjahrsstürmen, der Sommerhitze Glut
Des Herbstes kühlem Regen, des Winters grimmiger Wut
Kein Wort verlässt ihre Lippen, keine Klage und auch kein Gebet
Und leise Seufzer werden vom brausenden Wind fortgeweht.

Manche sagen: "Die seltsame Alte, sie hält dort oben Wacht
Über das Meer, das so vielen schon hat den Tod gebracht.
Sie mahnt uns nicht zu vergessen seine Unberechenbarkeit,
seine Schönheit und lockende Weite, doch auch seine Grausamkeit.

Ihr Liebster ist dereinst geblieben tief auf dem Meeresgrund.
Seither wartet sie dort oben auf den Klippen, Stunde um Stund'.
Wartet darauf, dass endlich die See zurück ihr gibt
Was sie ihr einst genommen: den Mann, den sie immer noch liebt.

Seht ihr die Alte dort oben...

Die Wochen und Jahre vergehen und stets, wenn die Nacht anbricht
Sieht man die Frau auf den Klippen, umgeben von blutrotem Licht.
Doch eines Tags in der Dämm'rung richtet die Alte sich auf
ein Lächeln tritt auf ihre Lippen, sanft bläst sie die Kerze aus.

Am Morgen ist sie verschwunden, und auch ihre Hütte ist leer.
Einzig die silberne Kette bleibt zurück auf der Klippe am Meer.
Drunten im Dorf fragt sich mancher, was in der Nacht wohl geschah.
Welche Stimme der Wind zu ihr brachte, welch' Gestalt sie im Nebel wohl sah.

"Vielleicht hat das Meer ihr am Ende ihre stumme Bitte gewährt?
Und sie ist nun vereint mit dem Liebsten, dessen Kuss sie so lang hat entbehrt."
Und eins mit Sturm, Wind und Gezeiten kehrt ihre Seele zurück
In längst vergangene Tage zu lange verlorenem Glück.

Text: Christine, Melodie: PurPur (2010)