Der Tod und das Mädchen

Text: Christine Rauscher; Melodie: PurPur (2013)

(via Wikimedia Commons [CC0])

Seit dem 14. Jahrhundert ist in der Malerei und der Bildenden Kunst, aber auch der Lyrik und Musik das Motiv des Totentanzes, weit verbreitet. Als Symbol der Vergänglichkeit trifft beim danse macabre der knochige Sensenmann auf eine junge, schöne Frau. Unser Lied entstand im Rückgriff auf zwei Strophen des Dichters Matthias Claudius (1740-1815), die bereits Franz Schubert für eines seiner Werke verwendete.

Bild: Basler Totentanz, Aquarellkopie von 1806, Johann Rudolf Feyerabend: "Der Tod zur Herzogin", Historisches Museum Basel

Text

Ein Mädchen wollt des Nächtens allein zum Tanze geh'n.
Da sah am Wegesrande sie einen Schatten steh'n.
Sie dacht, es sei der Liebste, der sie zum Tanz wollt führ'n,
drum lief sie freudig näher, tat keine Angst verspür'n.

Refrain
Wohl an! Lass uns zum Tanze geh'n, gemeinsam uns im Kreise dreh'n
Bis Sorgen, Leid und Not vergeh'n: Lass uns zum Tanze geh'n

Da trat aus finstrem Dunkel der Wartende ans Licht
doch den der Mond enthüllte: Ihr Liebster war es nicht!
Wie Nacht warn seine Kleider und hager die Gestalt,
die Wangen hohl und beinern, die Augen blickten kalt.

Refrain

Das Mädchen tat erschrecken. "Gott hilf mir aus der Not!
Der mich zum Tanz will führen, ist der Gevatter Tod.
Folg ich dem grimm'gen Schnitter, mein Leben wär vertan.
Ich wünscht' er würde schweigen!" Doch wieder hob er an:

Refrain

"Vorüber, ach vorüber, geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber und rühre mich nicht an!"
 "Gib deine Hand, du Zarte. Bin Freund, komm nicht zu strafen.
Sei guten Muts, sollst friedlich in meinen Armen schlafen."

Refrain

Das Mädchen seufzet leise und eine Träne rinnt
Der Tod umfängt gar zärtlich das wunderschöne Kind.
Sie dreh'n sich sacht im Kreise, er führt sie in sein Reich
und jeder Schritt im Reigen ist leicht und schwer zugleich

Wohl an! Lass uns zum Tanze geh'n. Ein letztes Mal im Kreis uns dreh'n
Bis Sorgen, Leid und Not vergeh'n: Lass uns zum Tanze geh'n

Ihr Liebster harrt vergebens, hofft kaum mehr auf sein Glück.
Und bald schon muss er sehen: die Braut kehrt nicht zurück
Denn wen der Tod sich erst einmal zum Tanze hat erkor'n
Der ist bis an der Zeiten End für diese Welt verlor'n.

Text: Christine Rauscher; Melodie: PurPur (2013)