Eine Hexe bin ich nicht!

Text: Judith & Christine Rauscher; Melodie: Christine Rauscher

Wie muss es sich angefühlt haben, damals, als die Zeit der Hexenverbrennungen in Deutschland wütete? Denunziert von Freunden, Nachbarn, ja sogar der eigenen Familie; verschleppt, gequält und hochnotpeinlich befragt - und am Ende angeklagt und verurteilt zu werden für ein Unglück, das zufällig geschah, Fähigkeiten oder Eigenschaften, die man nunmal schlicht hat wie Haarfarbe, Geburtsmale oder heilende Hände. Oder einfach nur dafür, nicht gestehen zu können, was man nicht getan hat. Eine Hexe bin ich nicht!

Text

Teurer Vater, stets vernarrt warst du in meine Lockenpracht
Teurer Vater, stets gepriesen hast du meiner Wangen Samt
Doch was du an mir bewundert, hat mich vor Gericht gebracht,
Meine Schönheit, meine Jugend haben mich zum Tod verdammt.

Liebste Mutter, stets gefördert hast du meinen Wissensdrang
Liebste Mutter, stets befolgte aufmerksam ich deine Lehren
Pflegte Wunden, lindert’ Schmerzen, saß an Betten Nächte lang
Doch mein Wissen, meine Klugheit werden mir den Tod bescheren.

Meine Tochter, spürst du noch wie sicher dich im Arm ich hielt
Meine Tochter, hörst du noch das Wiegenlied, das ich dir sang?
Meine Tochter, lass nicht zu, dass man dir die Erinn’rung stielt,
Was auch immer sie erzählen, glaub’s nicht einen Herzschlag lang!

Ach Geliebter, stets gefesselt hat dich meiner Augen Feuer
Ach Geliebter, stets verfallen warst du meinem freien Geist
Doch was du an mir so liebtest, dafür zahl ich heute teuer
Allzu leicht nährt Neid und Missgunst bösen Zweifel, wie du weißt

Alte Freunde, stets vertrauen konntet ihr den Schwüren mein
Alte Freunde, wahr und ehrlich sprach ich was mein Herz gedacht
Doch nun werden jene offnen Worte mein Verhängnis sein
Meine Wahrheit, eure Lügen haben mich hierher gebracht!

Zerrt mich auf Geheiß erzwungner Zeugen aus der Heimat fort
Schleppt mich aus verirrtem Glauben hier an diesen graus’gen Ort
Ritzt in meine Haut die Lüge, die mich zwang vor dies’ Gericht
Nehmt mir Würde, Stolz und Leben – Schuld bekennen kann ich nicht!

Brennt mir eure falsche Wahrheit tief ins Fleisch mit Feuersglut!
Schreibt nur nieder das Geständnis stummer Qual mit meinem Blut.
Peinigt meinen Leib mit Schlägen bis der letzte Knochen bricht
Nehmt mir Würde, Stolz und Leben – meinen Willen brecht ihr nicht!
Nehmt mir Würde, Stolz und Leben – eine Hexe bin ich nicht.